Skulpturen

Die Herstellung und Verwendung von Skulpturen aus dem Holz der Wälder ist eine Tradition, die die Bontoc, Kankanaey und Ifugao aus den Kordilleren von Luzon gleichermaßen pflegen. Anfang des 20. Jahrhunderts dokumentierten Ethnografen, dass die Bontoc tinagtagu genannte Figuren schnitzten und diese neben den Eingang ihrer Häuser stellten. Die Ifugao schnitzten Skulpturen und befestigten diese seitlich an der Tür des traditionellen Hauses oder auf dem Hauptpfahl am Dachgeschoss des Hauses. Fotos, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind, zeigen, dass aus Farnbäumen geschnitzte anthropomorphe Figuren in den alten Bergprovinzen entlang der Straßen positioniert wurden.

Farnskulpturen könnten als Grenzmarkierung zwischen verfeindeten Dörfern verwendet worden sein. Auch heute werden in einigen Dörfern in Ifugao noch Farnskulpturen hergestellt und verwendet.
In der Sammlung des Linden-Museums finden sich Löffel mit zu Skulpturen ausgestalteten Stielen.
Diese Löffel wurden nie benutzt; es ist wahrscheinlicher, dass sie zur Präsentation auf der Weltausstellung in St. Louis im Jahre 1904 geschnitzt wurden.

Text: Prof. Dr. Leah Abayao

Skulptur

Holzfigur, die eine Frau darstellt. Mit Patina. Der Sammler gab an, dass sie ein als Ahnenfigur gestalteter Hauspfahl ist und von den Bontoc stammt.

Kinabbigat

Weibliche Holzfigur mit am Unterteil befestigten Hühnerfedern. Mit Patina. In einigen Dörfern im Zentrum des Ifugao-Gebietes bewahrte die vermögende Klasse, die die imbayah-Rituale durchführte um das Wohl des Dorfes zu sichern, solche Figuren in ihren Häusern auf. Die Figur wurde verwendet, um das Dach des Wohnhauses zu stützen. Der Begriff kinabbigat ist vermutlich von kabbigat abgeleitet, einem Gott, der als Spender des Reises galt.

Männliche Skulptur

Anthropomorphe Figur mit deutlich herausgearbeiteten männlichen Geschlechtsorganen. Der Sammler notierte, dass diese Figur über den Schlafstätten der Bontoc aufgehängt wurde.

Bul-ul mit wanoh

Ifugao legen manchmal ein Hüftgewand für Männer (wanoh) um ihre bul-ul-Figuren und gestalten den Kopfbereich so, dass der Haarschnitt sichtbar ist. Der mumbaki-Ritualpriester legte während der Ernterituale oft Reisähren auf die Ohren der Figuren. Die bul-ul-Figur steht auf einem geschnitzten Sockel, der wie ein Reismörser der Ifugao geformt ist.

Tangkil

Oberarmschmuck eines Mannes aus Eberhauern. Männer trugen bei Feierlichkeiten und Ritualen, wie z. B. dem begnas-Ritual für den Reisanbau ein Paar dieser Oberarmschmuckelemente. Solche Objekte sind heute meist Familienerbstücke, da die ursprünglich verwendeten Materialien nicht mehr verfügbar sind. Neue Nachbildungen werden jedoch häufig bei Kulturfestivals getragen.

Darstellung einer rituellen Handlung

Fünfteiliges Set aus Miniaturobjekten (mumbaki-Ritualpriester, Reisweinkrug, Ritualkiste, Schwein, Reisweinschüssel), eine rituelle Handlung darstellend. Rituale wurden häufig im Wohnhaus oder im Außenbereich von Häusern der Ifugao durchgeführt. Dieses Set zeigt einen Ritualpriester, der neben dem für das Ritual benötigten Material sitzt. Priester saßen bei der Durchführung von Ritualen mehrere Stunden lang und wechseln sich beim Rezitieren der rituellen Mythen ab.

Modelhaus

Modell eines Wohnhauses im Stil der Dörfer im Zentrum des Ifugao-Gebietes. Holzstruktur mit Strohdach aus Silberhaargras. Es kann in seine Bestandteile zerlegt und wieder zusammengebaut werden, wie es auch bei einem echten Haus der Ifugao der Fall ist. Die tuod- oder tukod-Pfähle zeigen, dass das Haus auf Baumstämmen mit abgeschnittenen Wurzeln errichtet wurde. Dieses Modell zeigt zudem die dicken lidi-Scheiben, die auf das obere Ende aller vier Pfähle gesetzt wurden um zu verhindern, dass Ratten in das Haus gelangen. Das Modell beinhaltet darüber hinaus einen aus Holz geschnitzten Miniatur-Reismörser mit Stößel, der einen wichtigen Gegenstand in Häusern der Ifugao darstellt und ein fünfteiliges Set von Miniaturobjekten (mumbaki-Ritualpriester, Reisweinkrug, Ritualkiste, Schwein, Reisweinschüssel) ist ebenfalls enthalten.

Bul-ul Paar

Ein Paar Bul-ul-Holzfiguren, bestehend aus Mann und Frau, die auf einem geschnitzten Sockel stehen. Die Frau steht auf einem Sockel, der in Form eines Reismörsers der Ifugao gestaltet ist. Mögliche Spuren einer Blut-Patina. Nach der Ernte werden sie oft zusammen mit Holzschweinen als Wächter vor die Türen von Reisspeichern gesetzt.

Skulptur „Alter Mann“

Holzfigur eines alten Mannes mit einem Gehstock. Der Sammler gibt an, dass dies eine Schnitzerei aus Weichholz sei, die einen Ifugao-Kämpfer darstellt und in der amerikanischen Kolonialzeit für kommerzielle Zwecke hergestellt wurde.

Bul-ul Paar

Ein Paar Bul-ul-Holzfiguren, bestehend aus Mann und Frau, die auf geschnitzten viereckigen Sockeln sitzen. Während der Reisernte werden sie gegenüber den geernteten Reisbündeln gesetzt und stellen ein Götterpaar dar, das über die Ernte wacht. Di Figuren weisen Spuren einer Blut-Patina auf. Während der Durchführung von Reisritualen berührt der mumbaki-Priester manchmal die bul-ul-Figuren mit seinen Händen, die er vorher in das Blut eines geopferten Schweins getaucht hat. Nach der Ernte werden sie oft zusammen mit Holzschweinen als Wächter vor die Türen von Reisspeichern gesetzt.

Anthropomorphe Figur

Anthropomorphe Figur aus Holz mit gebeugten Knien. Mit Patina. Der Sammler bezeichnete dieses Objekt als „Ahnenfigur huguhug“. Huguhug bezeichnet jedoch den Stein über der Feuerstelle, der zum Trocknen von Feuerholz und Reis oder Samen verwendet wird. Die Figur erinnert an die den kinabbigat-Holzfiguren einiger Dörfer im Zentrum des Ifugao-Gebietes. Dort verwendete die vermögende Klasse kinabbigat in ihren Häusern um das Dach zu stützen. Der Begriff kinabbigat ist vermutlich von kabbigat abgeleitet, einem Gott, der als Spender des Reises galt.

Amulett

Kleine anthropomorphe Figur, die aus narra-Holz geschnitzt wurde. Möglicherweise als Talisman, als Glücksbringer oder zum Schutz vor Unheil verwendet. Der Sammler bezeichnete dieses Objekt als „Fruchtbarkeitsfigur“.

Holzgefäß

Holzbehälter, dessen Griff als sitzende, anthropomorphe Figur gestaltet ist.

Löffel

Löffel, dessen Stiel als Frauenskulptur gestaltet ist.

Tinagtagu

Männliche Skulptur aus Holz mit einem Tuch um die Taille. Die Figur sitzt auf einem runden Sockel. Ein Teil der Nase, des Arms und des Beins ist abgebrochen, was darauf hinweist, dass die Figur eventuell in einem Ritual verwendet wurde. Der Sammler gibt an, dass dieses Objekt von den Bontoc stammt und bezeichnet es als tinagtagu.

Dukaw or Chukaw

Anthropomorphe Figur aus Bronze, die an einem kleinen Holzstück befestigt ist. Sie gehört zum dungdung-Kopfschmuck, den Frauen während der Hochzeitszeremonie (uya-uy) auf dem Kopf trugen. Sie wurde nur von der vermögenden Elite der Ifugao, den kadangyan getragen. Der dukaw ist an langen inipul-Perlenschnüren befestigt, die zusammen mit ihm den Kopfschmuck der Braut bilden. Solche Schmuckstücke werden nicht mehr hergestellt, da man heute die Hochzeiten nach christlichem Brauch feiert. Einige Familien lassen jedoch traditionelle Hochzeitsriten in die christlichen Hochzeitszeremonien einfließen.

Punamhan

Hölzerner Ritualkasten mit Deckel, der von den Ifugao in Ritualen zur Steigerung der Reisernte verwendet wurde. Sie ist an beiden Enden mit anthropomorphen Figuren verziert und enthält Reste von pakhuy (ungeschältem Reis), momah (Betelnuss), Eiern und getrockneter Baumrinde. Bei dem Inhalt des Kastens handelt es sich um die Überreste durchgeführter Rituale in denen das Objekt verwendet wurde.

Löffel

Löffel mit als Skulptur gestaltetem Stiel.

Tangkil

Oberarmschmuck aus dem Hauer eines Ebers. Mit Korbgeflecht und einer Holzfigur, an der Federn befestigt sind. Männer tragen bei Feierlichkeiten und Ritualen, wie z. B. dem begnas-Ritual für den Reisanbau ein Paar dieser Oberarmschmuckelemente. Solche Objekte sind heute meist Familienerbstücke, da die ursprünglich verwendeten Materialien nicht mehr verfügbar sind. Moderne Nachbildungen werden oft bei Kulturfestivals getragen.

Kinahu hip’ag

Holzfigur in Hundeform, die als Amulett dient. Solche Objekte werden normalerweise in einem Korb oder Ritualkasten aufbewahrt. Mit Patina. Figuren wie diese verkörpern die Kräfte der Hip‘ag-Kriegsgottheiten, die in Ritualen angerufen wurden, die im Zusammenhang mit Gewalt und kriegerischen Handlungen stehen. Hip‘ag-Gottheiten wurden auch häufig mit Jagd, Zauberei und der Heilung seltener Krankheiten in Verbindung gebracht.

Ritualkorb

Kleiner Ritualkasten aus geflochtenem Rattan. Eine anthropomorphe Figur aus Holz und eine Feder sind daran befestigt. Der Kasten enthält Reste der getrockneten momah (Betelnuss), ein hip‘ag-Amulett aus Stein, ein hölzernes kinahu-Amulett und ein gerolltes, zusammengebundenes Blatt. Der Sammler bezeichnete dieses Objekt als „Zauberkasten mit Inhalt“.

Männlicher tanzender Bul-ul

Männliche Bul-ul-Figur aus Kiangan. Fein geschnitzt, mit abnehmbaren Armen. Die seitlich ausgestreckten Hände scheinen eine Tanzbewegung des traditionellen Tanzes der Ifugao darzustellen. Die Figur steht auf einem quadratischen Sockel.

Bul-ul

Männliche Bul-ul-Figur, die auf einem viereckigen Sockel sitzt. Ritualobjekt, das mit einer Öffnung zwischen dem Gesäß und dem Sockel gestaltet ist, damit ihm das Männergewand wanoh angelegt werden kann.

Bul-ul

Männliche bul-ul-Figur, die auf einem viereckigen Sockel steht. Sie wurde so geschnitzt, dass eine runde Frisur zu erkennen ist und die Ohren runde Löcher aufweisen, auf die mumbaki-Ritualpriester während der Ernterituale Reisähren legen konnten. Spuren einer Blut-Patina. Während der Durchführung von Reisritualen berührte der mumbaki-Priester die bul-ul-Figur mit seinen Händen, die er vorher in das Blut eines geopferten Schweins getaucht hatte.

Behälter für Fleisch

Behälter aus Holz zur Aufbewahrung von Fleisch. Der Deckel wurde mit einer Echse verziert, die häufig in der Holzschnitzerei dargestellt wird. In einigen Dörfern der Ifugao unterscheidet man mehr als fünf verschiedene Arten von Echsen, die in den Häuser ihrer Umgebung leben. Der Behälter ist in Form einer Schildkröte geschnitzt. Vor dem 2. Weltkrieg wurde nur gelegentlich Fleisch gegessen, normalerweise anlässlich der wichtigen Rituale oder Feierlichkeiten oder, wenn Jäger mit Wild heimkehrten. Schweine- und Hühnerfleisch sind die bevorzugten Fleischsorten der Ifugao und Bontoc.

Hip’ag

Anthropomorphe Figur aus Holz, die auf einem geschnitzten Sockel sitzt. Mit Patina. Figuren wie diese verkörpern die Kräfte der Hip‘ag-Kriegsgottheiten, die in Ritualen angerufen wurden, die im Zusammenhang mit Gewalt und damit kriegerischen Handlungen standen. Hip‘ag-Götter wurden auch häufig mit der Jagd, Zauberei und Heilung seltener Krankheiten in Verbindung gebracht. Hip‘ag konnten auch die Form von Tieren, wie z. B. Wildschweinen annehmen. Laut dem Sammler war dieses Objekt „mehrere Generationen“ alt, als er es erwarb.

Löffel

Löffel mit als Skulptur gearbeitetem Stiel.

Löffel

Löffel mit als Skulptur gearbeitetem Stiel.

Schwein

Hölzerne Tierfigur aus den Süden des Ifugao-Gebietes. Solche Figuren wurden oft in die Reisspeicher der Ifugao gelegt und waren Bestandteil der bul-ul und punamhan oder tingab-Ritualkästen.

Malukung Behälter für Speisen

Holzbehälter für Sago aus Banaue, an beiden Seiten mit einem Schildkrötenkopf verziert. Der Sammler gab an, dass dieses Objekt aus dem 19. Jahrhundert stamme. Ähnliche Behälter wurden zur Lagerung von Lebensmitteln verwendet, die mit der hibak oder tuwali Kochmethode der Ifugao für Fleisch, Hülsenfrüchte und anderes Gemüse gekocht worden waren. Behälter dieser Art werden inzwischen nur noch selten in den Haushalten der Ifugao verwendet, da sie allmählich durch Keramik-, Glas- und Kunststoffbehälter ersetzt wurden. Bisweilen stellen heute Holzschnitzer solche Objekte her, um sie an Touristen zu verkaufen.

Punamhan

Ein hölzerner Ritualkasten mit Deckel: Solche Kästen wurden von den Ifugao in Ritualen verwendet, die eine reiche Reisernte bewirken sollten. Der Kasten enthält Reste von pakhuy (ungeschältem Reis), momah (Betelnuss), geschnittene runo-Stängel (Chinaschilf), ein Steinamulett, ein kleines flaches Eisenstück (vielleicht Teil einer Klinge, die zur Reiseernte verwendet wurde) und getrocknete Bestandteile der Betel-Palme. Nach jedem durchgeführten Ritual wurden Reste der verwendeten Materialien in der Kiste zurückgelassen. Chinaschilfstängel dienten bei Heilungsritualen zum Herbeirufen von Seelen. In einigen Dörfern der Ifugao konnten Chinaschilfstängel aber in Ritualkästen auch verwendet werden, um die Anzahl von Schweinen zu erfassen, mit der die mit dem Ritualkasten verbundenen Reisfelder bezahlt worden waren.

Bul-ul

Hölzerne Bul-ul-Figur der Ifugao. Die Figur sitzt auf einem viereckigen Sockel. Der Sammler gab an, dass dieses Objekt aus dem Süden des Ifugao-Gebietes stammt und etwa vier Generationen lang verwendet wurde.

Bul-ul mit Haar

Männliche Bul-ul-Figur mit Menschenhaar auf dem Kopf und Schichten von Blut-Patina. In die Ohren wurden runde Löcher gearbeitet, auf die der mumbaki-Ritualpriester während der Ernterituale Reisähren legte. Der Sockel ist wie ein Reismörser der Ifugao geformt. Aus dem Westen des Ifugao-Gebietes.

Weibliche Skulptur

Fein geschnitzte Frauenskulptur aus Holz, die aus dem Norden des Ifugao-Gebietes stammt. Die Figur steht auf einem runden Sockel. Ein Teil des Sockels ist abgebrochen. Die Hände sind über der Brust gekreuzt.