Reisrituale und Ahnenkult

Reisrituale wurden hauptsächlich durchgeführt, um einen ertragreichen Reisanbau sowie eine nachhaltige Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen. Diese Rituale wurden unter Verwendung ritueller Gegenstände durchgeführt, wie den anthropomorphen bul-ul-Figuren und punamhan-Holzkästen der Ifugao. Die bul-ul-Figuren, die auch als „Reisgötter der Ifugao“ bekannt sind, verkörpern Götter und Ahnengeister der Ifugao, deren mumbaki-Ritualpriester diese Objekte von ihren Vorfahren geerbt haben. Rituelle Objekte wurden aus dem harten Holz aus den Wäldern geschnitzt.

Rituale, die während des Anbaus, der Ernte und Lagerung von Reis durchgeführt werden, wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts von spanischen Missionaren beobachtet und dokumentiert. In den Ritualen wurden Götter beschworen und Geister angerufen, um einen ertragreichen Reisanbau in den Dörfern zu erbitten. Jede vermögende Familie der Ifugao besaß einen für solche Rituale benötigten Ritualkasten.

Text: Prof. Dr. Leah Abayao

Anthropomorphe Figur

Anthropomorphe Figur aus Holz mit gebeugten Knien. Mit Patina. Der Sammler bezeichnete dieses Objekt als „Ahnenfigur huguhug“. Huguhug bezeichnet jedoch den Stein über der Feuerstelle, der zum Trocknen von Feuerholz und Reis oder Samen verwendet wird. Die Figur erinnert an die den kinabbigat-Holzfiguren einiger Dörfer im Zentrum des Ifugao-Gebietes. Dort verwendete die vermögende Klasse kinabbigat in ihren Häusern um das Dach zu stützen. Der Begriff kinabbigat ist vermutlich von kabbigat abgeleitet, einem Gott, der als Spender des Reises galt.

Behälter für Saatgut

Rattanbehälter mit Deckel und Griff. Er enthält noch Reste von Reissamen. In einigen Dörfern der Ifugao lagerte man Reissamen in Rattanbehältern, die eine natürliche Belüftung der Samen ermöglichten aber gleichzietig die gewünschte Feuchtigkeit und Qualität erhielten. Ausgesuchte Sorten von Reissamen wurden solchen Behältern aufbewahrt und in den Häusern wie ein Saatgutbanksystem gelagert, sodass man wählen konnte, welche Sorte in Abhängigkeit von den Bedingungen der Anbausaison auf den einzelnen Feldern angebaut wurde. Im Laufe der Zeit haben die Ifugao zahlreiche unterschiedliche Reissorten angebaut und beobachtet, da die genaue Kenntnis der Eigenschaften der unterschiedlichen Sorten für den traditionellen Reisanbau sehr wichtig war.

Bul-ul

Hölzerne Bul-ul-Figur der Ifugao. Die Figur sitzt auf einem viereckigen Sockel. Der Sammler gab an, dass dieses Objekt aus dem Süden des Ifugao-Gebietes stammt und etwa vier Generationen lang verwendet wurde.

Bul-ul

Männliche bul-ul-Figur, die auf einem viereckigen Sockel steht. Sie wurde so geschnitzt, dass eine runde Frisur zu erkennen ist und die Ohren runde Löcher aufweisen, auf die mumbaki-Ritualpriester während der Ernterituale Reisähren legen konnten. Spuren einer Blut-Patina. Während der Durchführung von Reisritualen berührte der mumbaki-Priester die bul-ul-Figur mit seinen Händen, die er vorher in das Blut eines geopferten Schweins getaucht hatte.

Bul-ul

Männliche Bul-ul-Figur, die auf einem viereckigen Sockel sitzt. Ritualobjekt, das mit einer Öffnung zwischen dem Gesäß und dem Sockel gestaltet ist, damit ihm das Männergewand wanoh angelegt werden kann.

Bul-ul mit Haar

Männliche Bul-ul-Figur mit Menschenhaar auf dem Kopf und Schichten von Blut-Patina. In die Ohren wurden runde Löcher gearbeitet, auf die der mumbaki-Ritualpriester während der Ernterituale Reisähren legte. Der Sockel ist wie ein Reismörser der Ifugao geformt. Aus dem Westen des Ifugao-Gebietes.

Bul-ul mit wanoh

Ifugao legen manchmal ein Hüftgewand für Männer (wanoh) um ihre bul-ul-Figuren und gestalten den Kopfbereich so, dass der Haarschnitt sichtbar ist. Der mumbaki-Ritualpriester legte während der Ernterituale oft Reisähren auf die Ohren der Figuren. Die bul-ul-Figur steht auf einem geschnitzten Sockel, der wie ein Reismörser der Ifugao geformt ist.

Bul-ul Paar

Ein Paar Bul-ul-Holzfiguren, bestehend aus Mann und Frau, die auf geschnitzten viereckigen Sockeln sitzen. Während der Reisernte werden sie gegenüber den geernteten Reisbündeln gesetzt und stellen ein Götterpaar dar, das über die Ernte wacht. Di Figuren weisen Spuren einer Blut-Patina auf. Während der Durchführung von Reisritualen berührt der mumbaki-Priester manchmal die bul-ul-Figuren mit seinen Händen, die er vorher in das Blut eines geopferten Schweins getaucht hat. Nach der Ernte werden sie oft zusammen mit Holzschweinen als Wächter vor die Türen von Reisspeichern gesetzt.

Bul-ul Paar

Ein Paar Bul-ul-Holzfiguren, bestehend aus Mann und Frau, die auf einem geschnitzten Sockel stehen. Die Frau steht auf einem Sockel, der in Form eines Reismörsers der Ifugao gestaltet ist. Mögliche Spuren einer Blut-Patina. Nach der Ernte werden sie oft zusammen mit Holzschweinen als Wächter vor die Türen von Reisspeichern gesetzt.

Falfeg

Speer mit quadratischem Klingenzapfen im Schaft.

Falfeg or Falfog

Speer mit Metallspitze, die einen Widerhaken aufweist und wie ein Fischschwanz geformt ist. Es wurde ein Rattanring-Korbgeflecht verwendet, um den Schaft da zu verstärken, wo die quadratische Zunge verankert ist. Eine kegelförmige Eisenkappe am unteren Ende des Schaftes schützte den Speer, wenn er als Wanderstab verwendet wurde. Möglicherweise ein falfeg der Bontoc.

Fangkao

Speer mit lanzettförmiger Metallspitze. Der Speerkopf wurde im Holzschaft befestigt. Ein Rattanring-Korbgeflecht verstärkt den Schaft an der Stelle, wo die Spitze eingesetzt ist., Fast die Hälfte des Schafts wurde durch Brandbomben verbrannt, die das Linden-Museum im 2. Weltkrieg trafen.

Gangsa

Bontoc-Gong aus Bronze. Der Sammler gab an, dass der Griff aus einem Kieferknochen besteht. Gongs wurden während der Reisrituale der Bontoc gespielt, insbesondere während der Anbau- und Erntesaison. Das Instrument gibt es in unterschiedlichen Größen und es wird passend zur bevorzugten Tonhöhe unterschiedlich gestimmt. Nur wenige Männer beherrschen heute noch die Kunst der Herstellung solcher Instrumente.

Kalasag

Holzschild, das bei kriegerischen Auseinandersetzungen verwendet wurde. Gewölbt mit drei Spitzen oben sowie zwei an der Unterseite. Auf Höhe des Ansatzes der Spitzen wurden Elemente aus Rattan eingearbeitet, um das Holz zusammenzuhalten. Geschnitzter Griff auf der Rückseite. Die eingeritzten und geschwärzten Muster ähneln charakteristischen Tätowierungen der Kalinga-Krieger. Farbenfrohe Korbgeflechte wurden zur Gestaltung verwendet. Einige der Korbgeflechte sind abgenutzt.

Kalasay

Holzschild, das bei kriegerischen Auseinandersetzungen verwendet wurde. Gewölbt mit drei Spitzen oben sowie zwei Spitzen an der Unterseite. Auf Höhe des Ansatzes der Spitzen wurden Korbelemente aus Rattan eingearbeitet, um das Holz zusammenzuhalten. Geschnitzter Griff auf der Rückseite. Mit Patina.

Kalasay

Holzschild, das bei kriegerischen Auseinandersetzungen verwendet wurde. Gewölbt, mit drei Spitzen oben sowie zwei Spitzen an der Unterseite. Auf Höhe des Ansatzes der Spitzen wurden Korbelemente aus Rattan eingearbeitet, um das Holz zusammenzuhalten. Geschnitzter Griff auf der Rückseite. Mit Patina.

Kalasay

Holzschild, das bei kriegerischen Auseinandersetzungen verwendet wurde. Gewölbt, mit drei Spitzen oben sowie zwei Spitzen an der Unterseite. Auf Höhe des Ansatzes der Spitzen wurden Korbelemente aus Rattan eingearbeitet, um das Holz zusammenzuhalten. Geschnitzter Griff; Patina. Auf der Rückseite des Schilds befindet sich ein Papierschild, das angibt, dass das Schild auf der Weltausstellung von 1904 in St. Louis ausgestellt war.

Kalasay

Holzschild, gewölbt mit drei Spitzen oben sowie zwei Spitzen an der Unterseite. Korbelemente aus Rattan halten das Holz zusammen. Geschnitzter Griff auf der Rückseite. Dicke Patina. Laut Sammler aus dem 19. Jahrhundert.

Kinahu hip’ag

Holzfigur in Hundeform, die als Amulett dient. Solche Objekte werden normalerweise in einem Korb oder Ritualkasten aufbewahrt. Mit Patina. Figuren wie diese verkörpern die Kräfte der Hip‘ag-Kriegsgottheiten, die in Ritualen angerufen wurden, die im Zusammenhang mit Gewalt und kriegerischen Handlungen stehen. Hip‘ag-Gottheiten wurden auch häufig mit Jagd, Zauberei und der Heilung seltener Krankheiten in Verbindung gebracht.

Männlicher tanzender Bul-ul

Männliche Bul-ul-Figur aus Kiangan. Fein geschnitzt, mit abnehmbaren Armen. Die seitlich ausgestreckten Hände scheinen eine Tanzbewegung des traditionellen Tanzes der Ifugao darzustellen. Die Figur steht auf einem quadratischen Sockel.

Menschlicher Schädel

Schädel, der auf einem Holzbrett zusammen mit einer hölzernen Speerklinge und getrockneten Blättern befestigt ist.

Panilipo

Speer mit Metallspitze, die wie ein Fischschwanz geformt ist. Die Speerspitze wurde im Holzschaft befestigt. Ein Eisenring und Rattanring-Korbgeflecht verstärken den Schaft an der Stelle, wo die Spitze eingesetzt ist. Das untere Ende des Schaftes wurde durch Brandbomben verbrannt, die das Linden-Museum im 2. Weltkrieg trafen.

Panilipo

Speer mit rundem Klingenzapfen im Schaft.

Panilipo

Speer mit Metallspitze, die wie ein Fischschwanz geformt ist. Es wurde ein Rattanring-Korbgeflecht verwendet, um den Schaft dort zu verstärken, wo die runde Zunge im Schaft verankert ist. Das untere Ende des Schaftes wurde durch Brandbomben beschädigt, die das Linden-Museum im 2. Weltkrieg trafen. Möglicherweise ein falfeg der Bontoc.

Punamhan

Ein hölzerner Ritualkasten mit Deckel: Solche Kästen wurden von den Ifugao in Ritualen verwendet, die eine reiche Reisernte bewirken sollten. Der Kasten enthält Reste von pakhuy (ungeschältem Reis), momah (Betelnuss), geschnittene runo-Stängel (Chinaschilf), ein Steinamulett, ein kleines flaches Eisenstück (vielleicht Teil einer Klinge, die zur Reiseernte verwendet wurde) und getrocknete Bestandteile der Betel-Palme. Nach jedem durchgeführten Ritual wurden Reste der verwendeten Materialien in der Kiste zurückgelassen. Chinaschilfstängel dienten bei Heilungsritualen zum Herbeirufen von Seelen. In einigen Dörfern der Ifugao konnten Chinaschilfstängel aber in Ritualkästen auch verwendet werden, um die Anzahl von Schweinen zu erfassen, mit der die mit dem Ritualkasten verbundenen Reisfelder bezahlt worden waren.

Punamhan

Hölzerner Ritualkasten mit Deckel, der von den Ifugao in Ritualen zur Steigerung der Reisernte verwendet wurde. Sie ist an beiden Enden mit anthropomorphen Figuren verziert und enthält Reste von pakhuy (ungeschältem Reis), momah (Betelnuss), Eiern und getrockneter Baumrinde. Bei dem Inhalt des Kastens handelt es sich um die Überreste durchgeführter Rituale in denen das Objekt verwendet wurde.

Ritualkorb

Kleiner Ritualkasten aus geflochtenem Rattan. Eine anthropomorphe Figur aus Holz und eine Feder sind daran befestigt. Der Kasten enthält Reste der getrockneten momah (Betelnuss), ein hip‘ag-Amulett aus Stein, ein hölzernes kinahu-Amulett und ein gerolltes, zusammengebundenes Blatt. Der Sammler bezeichnete dieses Objekt als „Zauberkasten mit Inhalt“.

Schild

Holzschild, das bei kriegerischen Auseinandersetzungen verwendet wurde. Gewölbt mit drei Spitzen oben sowie zwei Spitzen an der Unterseite. Sichtbare Zeichen des Zerfalls.

Schwein

Hölzerne Tierfigur aus den Süden des Ifugao-Gebietes. Solche Figuren wurden oft in die Reisspeicher der Ifugao gelegt und waren Bestandteil der bul-ul und punamhan oder tingab-Ritualkästen.

Sinalawitan

Speer mit gezackter Metallspitze. Ein Eisenring und Rattanring-Korbgeflecht verstärken den Schaft an der Stelle, wo die Spitze eingesetzt ist.

Speer

Dieser Speer könnte ein falgeg der Bontoc oder ein balabog der Ifugao sein, ein Jagdspeer mit quadratischer Klingenzunge zur Verankerung im Schaft. Es sind keine Unterlagen über die Vorgeschichte dieses Objekts vorhanden, bis auf die Information, dass der Speer 1953 erworben wurde.

Stoff

Der Sammler gab an, dass dies ein „Leichentuch“ sei.

Tinagtagu

Männliche Skulptur aus Holz mit einem Tuch um die Taille. Die Figur sitzt auf einem runden Sockel. Ein Teil der Nase, des Arms und des Beins ist abgebrochen, was darauf hinweist, dass die Figur eventuell in einem Ritual verwendet wurde. Der Sammler gibt an, dass dieses Objekt von den Bontoc stammt und bezeichnet es als tinagtagu.